Bildung
In einem Heft schreiben

Nationale Strategie zur Verringerung der Zahl funktionaler Analphabeten

"Alle gesellschaftlichen Gruppen sind aufgefordert, sich anzuschließen", betonten Bundesbildungsministerin Annette Schavan und Bernd Althusmann, Präsidenten der Kultusministerkonferenz, anlässlich der Bekanntgabe einer gemeinsamen nationalen Strategie im Kampf gegen Analphabetismus. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) wird daher als neue Initiative ein Programm zur arbeitsplatzorientierten Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Alphabetisierung und Grundbildung mit rund 20 Millionen Euro starten. Mit der Initiative sollen neue Wege zur Alphabetisierung und Grundbildung entwickelt und vielversprechende Ansätze in diesem Bereich gestärkt werden, um den Anteil funktionaler Analphabeten in Deutschland langfristig zu senken.

Studie zum funktionalen Analphabetismus

Schreibhefte mit Buchstabenreihen und Bleistift

Bundesbildungsministerin Annette Schavan stellte am 28. Februar 2011 in Berlin gemeinsam mit dem Präsidenten der Kultusministerkonferenz, Bernd Althusmann und Rita Süssmuth, Präsidentin des Deutschen Volkshochschulverbandes, sowie mit Prof. Anke Grotlüschen von der Universität Hamburg die Ergebnisse eines sogenannten Level-One Surveys (leo) zum Ausmaß von Analphabetismus in Deutschland vor.

Die Studie der Universität Hamburg kam zu dem Ergebnis, dass etwa 2,3 Millionen Menschen in Deutschland zwar einzelne Wörter lesend verstehen oder schreiben können, nicht jedoch ganze Sätze. Insgesamt sind damit mehr als 4 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung in Deutschland von Analphabetismus betroffen. Deutlich höher als bislang vermutet ist die Zahl der funktionalen Analphabeten: Etwa 7,5 Millionen beziehungsweise 14 Prozent der erwerbsfähigen Deutschen können zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben, nicht jedoch zusammenhängende, auch kürzere Texte wie zum Beispiel eine schriftliche Arbeitsanweisung verstehen. Eine angemessene Form der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist beim funktionalen Analphabetismus nicht möglich. Bisher gingen Schätzungen von etwa vier Millionen Menschen aus, die von funktionalem Analphabetismus betroffen sind. Fehlerhaftes Schreiben auch bei gebräuchlichen Worten betrifft laut der Studie rund 21 Millionen Menschen in Deutschland beziehungsweise knapp 40 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung.

Die Level-One Studie (leo) wurde von der Universität Hamburg im Rahmen der im Jahr 2010 realisierten nationalen Zusatzerhebung zur europäischen Weiterbildungsbefragung "Adult Education Survey" (AES) durchgeführt. Per Zufallsauswahl wurden mehr als 7.000 Personen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren befragt. Für leo wurde diese Zahl um eine Zusatzstichprobe von 1.350 Personen im unteren Bildungsbereich ergänzt.

Video

Im Blick: Verbesserung des Bildungsstandards durch Alphabetisierung und Grundbildung

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Für Deutschland stellte sich auch im Rahmen der Weltalphabetisierungsdekade der Vereinten Nationen die Notwendigkeit, die tatsächliche Größenordnung des Analphabetismus in Deutschland wissenschaftlich zu ermitteln. Ziel der Dekade (2003 bis 2012) ist es, die Anzahl der Menschen, die nicht ausreichend lesen und schreiben können, weltweit zu halbieren und jedem Menschen eine Grundbildung zu ermöglichen. Für Industrieländer wie Deutschland bedeutet dies unter anderem, vorhandene Bildungsbenachteiligungen zu erkennen und abzubauen und die Prävention und Bekämpfung von Analphabetismus zu verbessern. Mit der Studie liegen nun zum ersten Mal nationale, belastbare und differenzierte Daten zur Literalität - also der Fähigkeit, mit Schrift lesend und schreibend, sinnentnehmend und sinnproduzierend umzugehen - im Level One, dem untersten Kompetenzniveau im Lesen und Schreiben, vor. Das Forschungsprojekt der Universität Hamburg wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1,3 Millionen Euro gefördert.

Zur  nationalen Umsetzung der Ziele der Weltalphabetisierungsdekade haben sich die wichtigsten Akteure in der Alphabetisierungsarbeit im Aktionsbündnis für Alphabetisierung zusammengeschlossen. Dies sind neben dem BMBF die Deutsche UNESCO-Kommission, der Deutsche Volkshochschul-Verband, der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V., der Verlag Ernst Klett Sprachen, die GEW und die Stiftung Lesen. Die Mitglieder dieses Aktionsbündnisses haben auf der vom BMBF geförderten Fachtagung 2003 in Bernburg die so genannten Bernburger Thesen verabschiedet, in denen die wichtigsten Aufgaben für die Alphabetisierungsarbeit definiert wurden.

Förderschwerpunkt Forschung und Entwicklung zur Alphabetisierung und Grundbildung

Eine Hand führt die andere beim Schreiben

Im Rahmen seiner Zuständigkeit engagiert sich das BMBF seit Jahrzehnten im Bereich Alphabetisierung. 2006 hat das BMBF seine Förderung neu ausgestaltet und in einem Förderschwerpunkt "Forschung  und Entwicklung zur Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener" gebündelt. Mit einer Fördersumme von rund 30 Millionen Euro (2007 - 2012) werden insgesamt 24 Verbundvorhaben mit über 100 Einzelprojekten gefördert.






Der Förderschwerpunkt gliedert sich in vier Themenbereiche:

  1. Forschungsarbeiten zu Grundlagen der Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit mit Erwachsenen, wie z.B. zur Größenordnung des funktionalen Analphabetismus in Deutschland Effizienzsteigerung und verbesserte Qualität von Unterstützungs- und Beratungsmaßnahmen für Erwachsene, zum Beispiel Szenarien-basierte Lernangebote für Geringqualifizierte
  2. Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit im Kontext von Wirtschaft und Arbeit, zum Beispiel berufliche Qualifizierung und Grundbildung verbinden, Lernen am Arbeitsplatz
  3. Professionalisierung der Lehrenden wie die Entwicklung von wissenschaftlich fundierten Aus- Fort- und Weiterbildungskonzepten.
    • Das Computerspiel "Winterfest", das im Februar 2011 den "European Award for Technology Supported Learning" in der Kategorie "Beste Mediendidaktik" gewonnen hat
    • Der Masterstudiengang "Alphabetisierung und Grundbildung", der in Baden-Württemberg erfolgreich akkreditiert und implementiert wurde.

Der Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (PT-DLR) unterstützt die Arbeit des BMBF und der Projekte durch ständige Beobachtung und Analyse von Forschung und Entwicklung sowie Unterstützung bei Verbreitung  und Transfer der Ergebnisse des Förderschwerpunktes.

Weitere BMBF-Initiativen und Projekte

Erwachsenenlerngruppe in einer Bibliothek

Gefördert werden weiterhin Fachtagungen (Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.) als "Meilensteine" der nationalen Durchführung der Weltalphabetisierungsdekade: 2003 in Bernburg; 2004 in Berlin; 2005 in Frankfurt, 2006 in Bonn, 2007 in Hamburg sowie 2008 in Leipzig.



  • Lernportal ich-will-lernen.de: Mit Förderung des BMBF entwickelte der Deutsche Volkshochschul-Verband e.V. (DVV) das E-Learning-Portal ich-will-lernen.de. Das Lernportal bietet kostenlose Online-Übungen im Bereich Alphabetisierung- und Grundbildung. Lernende können das Angebot auf Wunsch anonym und als Unterstützung zum Lernen in Präsenzkursen an Weiterbildungseinrichtungen nutzen. Mehr als 290.000 Lernende haben sich bereits im Portal angemeldet, rund 15.000 Nutzer sind an fünf Tagen der Woche online aktiv. Das seit 2004 bestehende Lernangebot "Schreiben" richtet sich an funktionale Analphabeten und ist bereits fest in der Alphabetisierungsarbeit verankert. Es wurde inzwischen um Module zur Vorbereitung auf das Nachholen eines Schulabschlusses erweitert. Derzeit entsteht ein neues Modul zur ökonomischen Grundbildung.
  • Der DVV schult Kursleitende von Weiterbildungseinrichtungen kostenlos zum Einsatz des Lernportals. Weitere Informationen finden Sie auf den Internetseiten des Projektes Portal Zweite Chance Online und des Lernportals http://www.zweite-chance-online.de/ und http://www.ich-will-lernen.de/
  • Projekt "ALFA-Mobil" (Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.):
    Das ALFA-Mobil ist ein speziell ausgerüstetes Fahrzeug, das Information und Beratung "vor Ort" leistet. Es fährt insbesondere in Regionen, in denen es bisher wenig bis gar keine Alphabetisierungsangebote gibt, um dort die Einrichtung von Kursen zu unterstützen.
  • Projekt "F.A.N -Fußball.Alphabetisierung.Netzwerk" (Bayrischer Rundfunk / Redaktion BRalpha und Bundesverband Alphabetisierung):
    Im Rahmen des Projekts wurde eine sechsteilige Fernsehserie produziert. Diese wurde bereits mehrfach bei BR Alpha und in den dritten Programmen gesendet. Zur Begleitung der Sendungen wurden Arbeitsmaterialien für die Alphabetisierungsarbeit ausgearbeitet. Mit der Idee des Fußball-Fanclubs wurde ein neuer Weg beschritten, indem Betroffene durch ihre Fußballbegeisterung motiviert wurden zu lernen.
  • Gefördert wurden weiterhin Fachtagungen (Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.) als Meilensteine der nationalen Durchführung der Weltalphabetisierungsdekade: 2003 in Bernburg; 2004 in Berlin; 2005 in Frankfurt, 2006 in Bonn, 2007 in Hamburg, 2008 in Leipzig, 2009 in Hannover sowie 2010 in Weinheim.

Einen Beratungsservice für Betroffene bietet der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. mit dem ALFA-Telefon. Unter der Telefonnummer (0251) 53 33 44 gibt es Informationen über Lese- und Schreibkurse im gesamten Bundesgebiet.


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Reden

  • 29.03.2011

    Bilanzkonferenz im Förderschwerpunkt "Forschung und Entwicklung in der Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener"

    Rede der Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung Cornelia Quennet-Thielen, anlässlich der Bilanzkonferenz im "Förderschwerpunkt Forschung und Entwicklung in der Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener" am 29. März 2011 in Berlin

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Dokumente

Publikationen

  • Forschung und Entwicklung zur Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener ID = 1460

    Titelbild der Publikation

    Bilanzkonferenz des Förderschwerpunkts am 29. März 2011

    2011, 48 Seiten

    Download [PDF - 3,94 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/konferenz_alphabetisierung_erwachsener_berlin.pdf)

Hier finden Sie die lieferbaren Materialien.
(URL: http://www.bmbf.de/publikationen/)

Ansprechpartner

  • Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)

    • PT Bildungsforschung
    • Heinrich-Konen-Str. 1
    • 53227 Bonn
    • Telefonnummer: 0228 3821-0
    • Faxnummer: 0228 3821-323
    • E-Mail-Adresse: alphabund@dlr.de
    • Homepage: http://www.dlr.de/pt/desktopdefault.aspx/tabid-3140/
    • Geförderte Vorhaben: http://foerderportal.bund.de/foekat/foekat/foekatliste$v_foekat_webliste.actionquery?P_APC_LFDVOR=J&P_APC_RESSORT=BMBF&P_APC_PT=PT-DLR&P_APC_REF=322&Z_CHK=0
  • Deutscher Volkshochschulverband

    • Gundula Frieling
    • Obere Wilhelmstraße 32
    • 53225 Bonn
    • Telefonnummer: +49 228 97 569-0
    • E-Mail-Adresse: info@zweite-chance-online.de
    • Homepage: http://www.zweite-chance-online.de/
  • Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.

    • Peter Hubertus
    • Berliner Platz 8-10
    • 48143 Münster
    • Telefonnummer: 49 (0)2 51.49 09 96-0
    • Faxnummer: +49 (0)2 51.49 09 96-86
    • E-Mail-Adresse: bundesverband@alphabetisierung.de
    • Homepage: http://www.alphabetisierung.de